Der erste Kontakt

Schon sehr früh in meinem Leben habe ich mich für Motorräder interessiert. Ich verschlang früher regelrecht jede Motorrad-Zeitschrift, die mir in die Hände fiel. Viele Stunden Kurzweil brachte mir ein Fund im Altpapier: Unser damaliger Mieter, auch Motorradfahrer, entsorgte dort eine ganze Menge ältere MOTORRAD-Zeitungen. Ich vereinnahmte mir sogleich die Lektüren und die nächsten Tage waren gesichert…

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich den ersten persönlichen Kontakt zu einem motorisierten Zweirad hatte: Ich war 12 Jahre alt als ich mit meinen Eltern Verwandte in Schwerte besuchte. Deren Sohn Heinz, mein Cousin, war drei Jahre älter und hatte bereits ein Mofa. Es handelte sich um ein schon damals steinaltes Gefährt, das irgendwer vor vielen Jahren wahrscheinlich aus einem Versandkatalog bestellt hat. Da die Wohnlage der Verwandten sehr ruhig ist, durfte ich dann auch eine ganze Zeit das Mofa allein fahren. Ich ist eigentlich unbeschreiblich, was für ein Gefühl das für mich gewesen ist. Das erste mal gehorcht mir so eine Maschine und bewegt sich ohne daß ich dafür arbeiten muss. Fast eine Stunde fuhr ich die Straße auf und ab – Ein traumhaftes Erlebnis!

Da Heinz in Kürze 16 Jahre alt wurde und dann ein Mokick fahren würde, hat mein Vater mit ihm ausgemacht, daß das Mofa dann für einen kleinen Betrag in meinen Besitz übergehen sollte. Einige Monate später holten wir dann das Fahrzeug ab. Unsere Wohnlage, ähnlich ruhig und dazu noch eine Sackgasse, nutzte ich dann auch oft für notwendige Bewegungsfahrten des Mofas. Es sollte ja nicht einrosten… Für so ein altes Gerät waren die Fahrleistungen prima. Gut 45km/h erreichte dieses antike Fahrzeug. Ebenso versuchte ich mich aber leider auch mit dem Schraubenschlüssel. Das führte dazu, dass ich die restliche Zeit bis zu meinem 15. Lebensjahr damit verbrachte, das Mofa kaputtzureparieren. Es hat nie wieder den öffentlichen Straßenverkehr gesehen.

prima-gx-gr

Viel betteln und sehr gutmütige Eltern sorgten dann dafür, daß zu meinem 15. Geburtstag ein neues Mofa vor der Tür stand. – Eine Hercules Prima GX! Zu dieser Zeit ein wirklich tolles Gefährt. Drei Gänge und die Optik wie bei einer großen begeisterten mich. Einzig die maximal erreichbare Geschwindigkeit von nur ca. 30km/h konnte mich nicht überzeugen. So wurde auch hier wieder gebastelt. Diesmal aber mit mehr Verstand und nur an Stellen, die ich mir wirklich zutraute. Eine geänderte Düsenbestückung, ein geöffneter Luftfilter, nichts brachte den richtigen Erfolg. Ich ließ aus rechtlichen Gründen also alles beim alten. Eines Tages brach beim Tausch des Luftfiltereinsatzes eine Haltelasche des Deckels ab. Nun, es ging auch ohne diese Kunststofflasche. Einige Tage später trat dann ein seltsames Phänomen auf: Ich fuhr ein leichtes Gefälle herab und kämpfte mich dabei, wie gewohnt mühsam über 30km/h. Bei 35Sachen zog der Motor dann plötzlich wieder an, um die Fuhre auf eine Geschwindigkeit von 50km/h zu treiben. Auch an der folgenden leichten Steigung fiel die Geschwindigkeit nicht mehr unter 45km/h. Das ging jeweils so lange gut, bis mich jemand unter 35km/h herunterbremste. Aber trotzdem- so machte das fahren schon viel mehr Spaß. Kurze Zeit später kam ich dann auf den Gedanken, bei Vollgas im dritten Gang einfach mal zurückzuschalten. Hier war dann tatsächlich der Anschluss da, der Motor beschleunigte das Mofa auf 35km/h. Dann schnell in den dritten und weiter ging es bis auf 45km/h. So hatte ich plötzlich ein ungewöhnlich schnelles, aber trotzdem irgendwie auch legales Fahrzeug. Toll waren immer die Reaktionen, wenn ich ein baugleiches Mofa im zweiten Gang überholte, um dann im dritten richtig wegzufahren. In meinem Bekanntenkreis fuhren zu der Zeit noch drei weitere Hercules GX. Keines dieser Exemplare wies diese Eigenart auf. Ich weiß bis heute nicht, woran es nun gelegen hat. Vielleicht an dem kleinen Schaden des Luftfilterdeckels. Wie auch immer, dieser Effekt machte das Mofazeitalter für mich erheblich interessanter.

Auch Dummheiten habe ich gemacht. Eines Tages fahre ich über einen Feldweg. Es regnet und ist recht rutschig. Wieder zurück auf der Straße fahre ich eine mir gut bekannte Strecke bergab. Irgendwie habe ich den Zusammenhang mit nasser Straße, Matsch an den Reifen und Kurvengeschwindigkeiten wohl nicht richtig begriffen. Zumindest bis zu diesem Tag! In einer Rechtskurve schmiert die ganze Fuhre zur Seite weg und ich rutsche über die nasse Straße. MIST! Aber letztlich war es doch meine eigene Schuld… neben blauen Flecken und ein paar Schrammen am Mofa ist die Sache glücklicherweise gut verlaufen.

Seit jeher bin ich der Meinung, daß jeder Sturz eine Schande für den Fahrer ist. Diese Äußerung von Klacks (Ernst Leverkus) trifft voll und ganz meine Einstellung. Wenn es dann doch einmal passiert, so sollte der Betroffene zumindest aus seinen Fehlern lernen, denn einen Fehler hat er dann zweifellos gemacht. Ich gehe seitdem speziell bei Feuchtigkeit sehr vorsichtig mit den Kurvengeschwindigkeiten um. Der Grenzbereich bei Nässe ist halt sehr schmal und wenn es rutscht, dann liegt der Lenker auch meist unmittelbar danach am Boden.

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