Die Tücken der SRX

Die Yamaha SRX600 ist ein sportlicher, kleiner Einzylinder, der beim Fahren sehr viel Fahrspaß bereitet. Es ist nicht gerade das schnellste Motorrad, aber durch die Handlichkeit überaus wendig und auf verwinkelten Strecken ohne weiteres auch gegenüber deutlich stärkeren Maschinen nicht im Nachteil. Wenn da an meinem Exemplar nicht ein überaus lästiger Fehler aufgetreten wäre…

srx-grAngefangen hat alles während meiner ersten Alpenreise mit dem Motorrad. Bereits auf der Anreise über die Autobahn stellten sich bei längeren Strecken über 140 km/h Zündaussetzer ein. Während des ganzen Urlaubs war dann Ruhe. Doch die Heimfahrt gestaltete sich dann wieder sehr aufregend. Aussetzer im dichten Verkehr beim überholen haben einen Spaßfaktor gegen null. Ich fühlte mich auf der Fahrt stets sehr gefährdet. Wenn bei einer Geschwindigkeit von 150km/h im fliessenden Verkehr plötzlich die Leistung ausbleibt und somit auch die Geschwindigkeit stark abfällt, die restlichen Verkehrsteilnehmer das aber noch nicht realisieren, sind abenteuerliche Situationen vorprogrammiert.
Auch meine Werkstatt konnte den Fehler bei mehreren Untersuchungen nicht nachvollziehen. Er trat ja auch nur sehr sporadisch auf. Wenn er aber auftrat, grundsätzlich dann, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen konnte. Meist nach längeren Strecken mit hoher Drehzahl oder brennen über die Hausstrecke nervte die SRX mit Aussetzern. So auch an diesem Tag:

Es ist ein sonniger Samstag im Herbst. Ich fahre meine Hausstrecke das erste mal diesen Tag ab. Wie üblich, halte ich mich bei dieser ersten „Kontrollfahrt“ zurück. Nachdem ich gesehen habe, daß die gesamte Strecke in Ordnung ist und keine neuen Verunreinigungen oder Hindernisse aufweist, drehe ich um und gebe der SRX die Sporen. In diesem Moment überholt mich eine RD350LC YPVS aus dem Nachbarkreis. Ich halte hinterher und mache Meter um Meter gut. Nach jeder Kurve bin ich ein paar Meter näher dran. Auf der langen Geraden zwischen der ersten und zweiten Kehre ziehe ich kurz vor der Kehre an der RD vorbei. Und genau in dem Moment, in dem ich mit beträchtlicher Schräglage die Kurve nehme – Zündaussetzer!
Nur mit einigem Trudeln kann ich mit allerhand Akrobatik die Maschine auf den Rädern halten. Es fehlt plötzlich und unerwartet der Zug am Hinterrad. Auch der gerade überholte Motorradfahrer kommt durch den Defekt in arge Bedrängnis. Es kommt gerade kein Gegenverkehr, so daß er über die Gegenfahrbahn ausweichen kann. Bis zum Stillstand bleiben die dringend benötigten Zündfunken aus. Ich versuche den Motor wieder anzutreten. Gleich der erste Versuch zeigt den gewünschten Erfolg.
Ich lege also den ersten Gang ein und…- Das Triebwerk stirbt sofort wieder ab.
Das ist heute so das erste mal passiert. Das Spiel wiederholt sich noch zwei mal, bis der Einzylinder auch mit eingelegtem Gang weiterläuft. Damit ist der Fehler eingekreist.
Ich fahre die Strecke weiter bergauf bis zum Steinbruch, wo bereits ein recht grimmig aussehender RD350 Fahrer wartet. Nachdem ich ihn davon überzeuge, daß die gerade durchfahrene, kritische Situation nicht an meiner fahrerischen Unvermögenheit, sondern an der Technik der SRX lag, wird er freundlicher.
Gemeinsam schrauben wir die Sitzbank und Seitenverkleidungen ab und verfolgen das Kabel des Killschalters am Seitenständer. Unter der Sitzbank durchtrenne ich die Kabel und verbinde die Enden mit einer Lüsterklemme. Alles wieder zusammengebaut begebe ich mich gleich auf Probefahrt. Mit betont hoher Drehzahl brenne ich meine Hausstrecke drei mal nacheinander auf und ab. Keine Zündaussetzer trüben mehr den Fahrspaß!

Hätte mir das Motorrad heute nicht diesen Hinweis gegeben, ich und die Werkstatt hätten wahrscheinlich ewig gesucht. Durch das Überbrücken des Killschalters trat der Fehler nie wieder auf und ich konnte mich wieder über ein uneingeschränkt funktionierendes Motorrad freuen, das mich bis zum Verkauf nie wieder im Stich gelassen hat.

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