Yamaha FZS 1000 Fazer

Das Jahr 2002 ist nun fast vorbei. Es war recht turbulent und von einigen Neuanschaffungen begleitet:
Anfang des Jahres kaufte ich einen ehemaligen Rettungswagen der Werksfeuerwehr der ZEISS Werke, den ich dann in Eigenregie zum Wohnmobil ausbaute. Im Sommer wurde dann pünktlich zum Urlaub ein Motorkajütboot angeschafft.
Dies alles hatte zur Folge, daß ich dieses Jahr lediglich 2000km mit dem CBR-1000 Gespann unterwegs war. Mit sehr gemischten Gefühlen biete ich dann das Gespann zum Kauf an.
Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, wirklich ohne Motorrad zu sein. Deshalb nerve ich meinen Händler, indem ich oft in seinem Laden herumschlendere und mir verschiedene Motorräder anschaue. Fest steht, daß es für die nächste Saison ein leistungsstarkes Motorrad gibt, nachdem der Verkauf des Gespanns erfolgreich ist.

So sehe ich mir die Yamaha YZF R1, sowie auch die Suzuki GSX-R 1000 genauer an.
Zweifellos tolle Motorräder, aber für meine Größe von 197cm einfach zu klein. Ich sitze jedoch auf diesen Gefährten irgendwie, wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein.

Dann schlägt mir mein Händler die Yamaha FZS 1000 Fazer vor. Das Motorrad hat einen Motor im Rahmen, der nahezu identisch mit dem der YZF R1 ist. Ein wenig auf Durchzug getrimmt, fällt die Höchstleistung etwas magerer als bei der R1 aus. Mit 143PS bei 10000U/min ist aber immer noch weit mehr Leistung, als genug vorhanden. Jedoch interessiert mich, wie der Motor diese Leistung entfaltet. Ich mag es nicht, wenn die Leistung plötzlich mit aller Gewalt einsetzt, wie beispielsweise bei der Hayabusa, und im unteren Drehzahlbereich Windstille herrscht.
Also vereinbare ich kurzerhand eine Probefahrt. Nach einigen Tagen ist das Wetter mal wieder besser und die Straßen trocken. Ich gehe also nach Feierabend zum Händler, um die Probefahrt zu machen. Leider kauft unmittelbar bevor ich fahren kann ein Kunde die Vorführmaschine. Aber der Händler vertröstet mich – er hat noch einen Vorführer, der jedoch in einem Nachbarort bei einem Motorradveredeler steht. Das würde er innerhalb der nächsten Tage bekommen.

Also darf ich wieder auf gutes Wetter warten.
Zwei Wochen später ist es dann so weit. Die Straßen sind wieder trocken und ich habe Zeit. Also rufe ich sicherheitshalber beim Händler an, um den Termin zu vereinbaren. Diesmal wird es klappen!

Nach Feierabend bin ich schon richtig unruhig und kann es kaum erwarten. Als mir das Vorführmotorrad übergeben wird, hat es lediglich 2km auf dem Tacho. Ich fahre also ein brandneues Fahrzeug. Deshalb halte ich mich auch die ersten Kilometer zurück und fahre den Motor zuerst richtig warm. Weiterer Grund dafür sind auch die neuen Reifen, die natürlich bei den Anfang November herrschenden Temperaturen nicht die rechte Haftung aufbauen können. Aber bereits in der Warmlaufphase bin ich vom Durchzug des Motors überrascht. Bereits bei wenig über 2000U/min packt die Maschine ordentlich zu, um bei 5000U/min richtig die Muskeln zu spannen.
Diese Leistungscharakteristik kommt meinem Fahrstil sehr entgegen. Ich fahre gern mit wenig Drehzahl durch die Gegend und erfreue mich am kräftigen Durchzug des Motors. Und wenn ich dann ein oder zwei Gänge herunter schalte, geht es richtig zornig zur Sache… Dazu kommt noch die Bremse, die vorn unverändert vom Supersportler YZF-R1 übernommen wurde. Diese Bremsanlage ist wirklich über jeden Zweifel erhaben. Mit gutem Druckpunkt und erstklassiger Wirkung ist sie für diese Witterung und meine geringe Erfahrung mit diesem Fahrzeug eigentlich sogar zu gut. Eine kurze Beschleunigung aus dem Stand auf ca. 200km/h unter missachtung aller Einfahrregeln zeigt, daß in den unteren Gängen auf jeden Fall der Gasgriff mit bedacht bedient werden sollte. Hier verliert das Vorderrad leicht den Bodenkontakt.
Die Entscheidung ist jedenfalls gefallen. Nicht zuletzt aufgrund der sehr angenehmen, aufrechten Sitzposition wird die FZS 1000 Fazer wird mein nächstes Motorrad!
fzs-grAm 23.11.2002 ist es dann so weit. Es hat sich ein Interessent für das CBR1000-Gespann gefunden, der es auch gleich mit nach Dresden genommen hat. Am gleichen Tag, kurz vor Geschäftsschluss, bin ich dann noch zu meinem Yamaha-Händler gefahren und habe die letzte 2002er Yamaha FZS 1000 Fazer gekauft. Ich habe nach einiger Verhandlung das Motorrad neu und ohne Zulassung von ihm zum Preis eines Vorführfahrzeugs bekommen.
Grund: Er hatte noch eine FZS als Vorführer (die, die ich probegefahren habe) mit einem Stand von 70km auf der Uhr. Wenn er mir die angegeben hätte, hätte er auch die neue FZS als Vorführer zulassen müssen. Deshalb diese Vorgehensweise, die mir natürlich sehr entgegenkam. Zulassen werde ich das Fahrzeug aber erst Anfang 2003. Bis dahin ist erst einmal Vorfreude in der Garage angesagt…

Im Februar – strahlender Sonnenschein lockt mich zum Straßenverkehrsamt um das neue Motorrad zuzulassen.
Ohne den Motor über 5000U/min zu drehen, lege ich die ersten 1000km zurück. Leicht macht mir dies das noch recht kalte Wetter und nach mehreren Jahren das ungewohnte fahren eines Einspurfahrzeugs. Aber nicht, daß nun Missverständnisse aufkommen – die Fahrerei mit wenig Drehzahl ist mit der Fazer alles andere als langweilig. Der enorme Durchzug dieses Rosinenmotors begeistert bei jedem Beschleunigen aufs neue. Meine Frau begegnet diesem Motorrad mit jeder Menge Respekt und lässt seit einer kurzen Probefahrt erschrocken die Finger von dem Feuerzeug.
Mit jedem Kilometer freunde ich mich mehr mit dem Motorrad und dessen Fahreigenschaften an. Ich merke erst jetzt, wie sehr man sich an ein anderes Gefährt gewöhnen kann. Nach drei Jahren mit dem „Dreirad“ habe ich wirklich Probleme, mich wieder auf das einspurige Gefährt umzustellen.

kindersitz-grDie Familie lässt dieses Jahr wieder nur seltene Ausflüge zu. Zwischendurch kaufe ich einen Kindersitz, um meinen, jetzt fünfjährigen Sohn Lukas auch manchmal auf dem Sozius mitzunehmen. Eine Helmsprechanlage mit einem PMR-Funkgerät (ALAN PMR 451) ermöglicht auch eine problemlose Verständigung. Es ist nämlich wirklich lästig, wenn der kleine Zwerg etwas mitteilen möchte, ich es aber nicht verstehen kann und deshalb extra anhalten muss.
Zudem sehe ich diese Kommunikationslösung als echtes Sicherheitsplus an, da ich ständig mit dem kleinen sprechen kann und so gleich merke, wenn er versucht, einzuschlafen.
Einschlafen ist zwar aufgrund des Sitzes nicht gefährlich, aber trotzdem nicht schön, da der Mitfahrer in der Situation seinen Kopf nicht mehr stabil hält und so die Wirbelsäule unnötig belastet wird. Bislang sind die Ausfahrten mit Lukas noch recht kurz. Eine maximale Fahrstrecke von 30km mute ich uns zur Zeit zu.

So angenehm sich die kilo-Fazer aufgrund der bulligen Motorcharakteristik auch fahren läßt – es gibt auch Schattenseiten:
Eine davon ist der Lenker, dessen Lenkerenden recht eigenwillig zum Fahrer hin gekröpft sind. Auf Dauer sitzt man so in einer unnatürlichen Haltung, die Handgelenke stark angewinkelt, ziemlich ungemütlich.
Nach 2000km bin ich dem entgegengetreten, indem ich einen Lenkerumbau vornahm. Ich montierte ein sehr flaches Exemplar (fast eine Street-Bar) der Fa. LUCAS. Da ich insgesamt mehr glänzende Teile am Motorrad bevorzuge, habe ich mich für die verchromte Stahlvariante entschieden. Das sieht in meinen Augen nicht nur besser aus, sondern ist zudem auch noch günstiger.
Nach der Montage des Lenkers dann aber doch eine Ernüchterung:
Dadurch, daß die Lenkerenden nun etwas tiefer und nicht so weit nach hinten gekröpft sind, stoßen sie bei stärkerem Lenkeinschlag an die Spiegel.
Mit den Spiegeln sind wir dann auch schon am zweiten Kritikpunkt angelangt. Sie zeigen in erster Linie die wunderschön geformten Oberarme des Fahrers. Zudem sind sie in meinen Augen eine optische Katastrophe. Die Spiegel sehen vorn an der Verkleidung aus, als ob sie beim Design des Fahrzeugs vergessen wurden und ein neuer Lehrling der Designabteilung eben schnell noch Spiegel entwarf. Sie sind schlicht ein Fremdkörper im Gesamtdesign der kFazer. Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, mich von den schwarzen, abstehenden Segelohren zu trennen und richtige Spiegel am Lenker zu montieren.

lenker-grAn der rechten Armatur ist die Spiegelaufnahme in Form eines Gewindes bereits vorgesehen. Das Teil wird einfach angeschraubt. Links dagegen muss improvisiert werden, da an der Kupplungsarmatur kein Gewinde vorgesehen ist. Der einschlägige Zubehörhandel bietet hier aber Lösungen in Form von Adaptern an, die montiert sehr unauffällig und dabei auch noch stabil sind. Ich habe nun die originalen Spiegel der Yamaha 1100 Bulldog montiert. Die sind auch verchromt und sehr massiv. Nun sind aber immer noch die Löcher der originalen Spiegel-Befestigungspunkte in der Verkleidung sichtbar. Auch hierfür gibt es im Zubehör Abdeckungen, die jedoch bislang meinem ästhetischen Empfinden in keiner Weise genügten. Die Abdeckungen sind in aller Regel irgendwelche Edelstahlbleche oder gar nur Edelstahl-Inbusschrauben, durch die die Löcher in der Verkleidung abgedeckt werden. Beide Lösungen wirken aber sehr provisorisch und wenig professionell.
Bei einem Gang durch den Verkaufsraum meines Händlers fiel mein Blick auf einen kleinen Motorroller, den Yamaha Slider. An diesem Roller klebt ein ovales Yamaha-Emblem auf der unteren Gabelbrücke. Ich bestellte zwei dieser Embleme und klebte sie kurzerhand auf die Löcher in der Verkleidung. Das ist zum einen wirklich billig (ein Emblem kostet knapp 3 Euro) und zum anderen sieht es aus, wie vom Werk so bekommen.
Seitdem sehe ich häufiger, auch bei meinem Händler, entsprechende Umbauten… :o)))

Januar 2004
Ich habe heute für die Fazer einen anderen Auspuff geordert. Der originale hört sich doch recht zahm an. Meine Wahl fiel, wieder einmal besonders aufgrund der Optik, auf den Eagle Mach7 von Speed-Products in Münster. Dies ist der einzige Auspuff, der nicht den üblichen „Abgasschnubbel“ am Ende hat. Dadurch wirkt der Auspuff optisch schon im Stand, wie ein Brüllrohr.
An meiner GSF1200 Bandit hatte ich vor einigen Jahren so einen Schalldämpfer montiert und war sehr zufrieden. Ich hoffe, daß er auch an der Yamaha eine gute Figur macht.

10.01.2004
Der bestellte Auspuff ist heute geliefert worden.
Gleich am Tag der Lieferung des Eagle-Auspuffs habe ich ihn dann montiert. Der Auspuff hat ja bekanntlich zwei db-Eater. Einen vorn und den zweiten hinten hineingeschraubt. Der erste Test erfolgte natürlich in zulässiger Anordnung incl. beider Krachfilter. Nachdem ich den Motor startete, traute ich meinen Ohren kaum. Das war ja noch leiser als das Original. NEIN, so geht das ja gar nicht. Fast wie ein verstopfter Staubsauger tönt die Fazer.
Also den Topf wieder abgenommen und den vorderen Eater entfernt. Der nächste Testlauf war dann schon ein wenig besser, wenn auch nicht überzeugend. So blieb es auch nach entfernen des hinteren db-Eaters. Ein wirklich angenehmer Ton ist diesem Auspuff nicht zu entlocken. Ich habe mich dann für den Betrieb lediglich mit dem hinteren Lärmfresser entschieden, damit die Manipulation nicht auf den ersten Blick auffällt. Die nächsten Fahrten mit der Fazer fallen dann auch noch eher ernüchternd aus. Neben dem eher gestocherten Klang lässt die Leistung meklich nach. Die begeisternde Motorcharakteristik der Fazer bricht mit diesem Auspuff zusammen und verkommt zu einem geöhnlich laschen Drehmomentverlauf. Ich wechsele wieder zu dem originalen Endtopf und lasse diesen auch bis zum Verkauf der FZS montiert. Auf jeden Fall bin ich nach den wirklich hervorragenden Erfahrungen mit dem Eagle an der Suzuki GSF1200 Bandit von der neuen Ausführung sehr enttäuscht. Die Bandit hatte einen traumhaften Klang mit sogar geringfügig höherer Leistung. Dieses mal ist der Fortschritt eher ein Rückschritt: Den aktuellen Eagle-Sportauspuff kann ich jedenfalls in keinster Weise empfehlen. Alles in allem ist solch ein Auspuff einfach nur peinlich. Weniger Leistung in Verbindung mit einem Klang wie gewollt und nicht gekonnt ist einfach nicht meine Sache. Wenn Eagle, dann nur die ursprüngliche Version ohne demontierbaren db-Eater!!!

Abschied
Am Ende der Saison 2004 habe ich dann versuchshalber die Fazer im Internet zum Verkauf angeboten. Etwas erstaunt war ich schon, als plötzlich tatsächlich jemand zugeschlagen hat und ich das Motorrad wirklich abgeben sollte. Mit etwas Wehmut half ich dann bei der Verladung auf in einem Transporter, mit dem das Motorrad abgeholt wurde.
Die Fazer war das bislang beste Motorrad, das ich je besessen habe. Nur die erste CBR1000 konnte ihr gefühlsmässig das Wasser reichen, auch wenn das Drehmoment der Honda nicht gar so überzeugend war.
Meine Gedanken für das nächste Motorrad gehen aber eher in eine andere Richtung:
Ich möchte gern wieder ein Motorrad mit Charakter fahren. Solche Fahrzeuge waren zum Beispiel die BMW R80G/S oder die BMW R100R Mystik. Aber auch die umgebauten VS1400 Intruder-Modelle stehen zur Wahl. Auf jeden Fall soll das zukünftige Motorrad wieder einen grossen, drehmomentstarken Motor haben, der ein stressfreies Touren ermöglicht. Im vornherein schon ausschliessen kann ich jede Art von Supersportler. Auch wenn Fahrzeuge, wie zum Beispiel die GSX-R1000, CBR1000RR oder auch die YZF-R1 zweifellos interessante Motorräder sind – mir sind sie allein von der Sitzposition her zu stressig. Wenn ich Motorrad fahre, dann möchte ich dabei entspannen. Dazu taugt eher ein gediegener Chopper oder vielleicht auch eine BMW R1150GS, die neben dem Entspannungswunsch bei Bedarf auch richtig flott bewegt werden kann.

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