Dolomiten 2001

03.06.2001 Die Zugfahrt
Um 17:30Uhr fahren wir bei Sauwetter zu Hause los. Die ersten 20 km kann ich meine Regenklamotten ergiebig testen. Dann lässt der Regen nach. Kurz vor Dortmund ist es dann trocken. Da wir diesen Urlaub mit dem Autozug starten, stellen wir uns am Verladebahnhof am Dortmuder HBF an. Nach und nach füllt sich der Platz vor der Abfertigung. Zum Schluss sind es 86 Motorräder, die gen München geschaukelt werden… und unser Gespann mittendrin…

Die Fahrt im Zug ist unruhiger, als gedacht. Ich schlafe aufgrund der Schaukelei nur ca. 2h.
Unser Sohn Lukas ist aber vom Zug fahren hellauf begeistert. Es wird spät, bis er einschläft. Wir bleiben in unserem Abteil allein, obwohl wir den Aufpreis für ein gesamtes Abteil für uns allein nicht gezahlt haben.

3rad-small in Dolomiten 200104.06.2001 Die Ankunft
Pünktlich um 06:50Uhr treffen wir in München ein.
Nach dem Abladen fahren wir erst einmal aus München heraus über die Autobahn nach Garmisch. Es ist empfindlich kühl und ich weiss nicht so recht, was ich von dem Wetter halten soll. Der Himmel ist ziemlich Wolkenverhangen, aber zumindest ist es trocken.
Nachdem wir das CBR1000-Gespann in Garmisch vollgetankt haben, fahren wir weiter über Insbruck und die alte Brennerstrasse in Richtung Bozen. – Ab Insbruck ändert sich die Wetterlage grundlegend! Die Wolkendecke reisst auf und Südtirol empfängt uns mit herrlichem Sonnenschein. Als wir ein Schild zum Grödnertal entdecken, entschliessen wir uns kurzfristig, die geplante, direkte Route nach Bozen zu verlassen und fahren über das Grödnertal und Sellajoch nach Karersee. Schon 1995 sind wir ja in diesem kleinen Ferienort untergekommen. Auch heute dauert es nicht lange, und wir haben eine schöne Ferienwohnung für unseren weiteren Aufenthalt.
Nach dem auspacken unserer „SIEBEN SACHEN“ plagt uns der Hunger. Doch alle Lokale sind entweder geschlossen oder die Küche ist noch nicht geöffnet. Zudem ist bei den Bedienungen von Freundlichkeit selten etwas zu spüren… Ich kenne das aus der Vergangenheit noch anders.
Wir finden auf dem Karerpass eine kleine Pommesbude, an der wir unseren Hunger stillen können.
Zwischenzeitig ist mir mit Entsetzen aufgefallen, dass ich bei der Fahrt über das Sellajoch vollkommen vergaß, Fotos zu machen.
Am Abend essen wir noch eine vorzügliche Pizza in einer Pizzeria am Ort. Hier stimmen auch wieder die Umgangsformen – Na also, es geht doch!
Gegen 21:00 Uhr reicht die Konzentration nicht mehr zur Planung des nächsten Tages. www.ab-ins-bett.de 😉

05.06.2001 Die Fahrt zum Gardasee
07:45 Uhr – SUPER-SAHNE-WETTER !!!
Wir fahren zuerst über Welschnofen zum Kalterer See. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt an einem Aussichtsplateau mit herrlichem Blick über das Kalterer Tal.
Wie klein doch die Welt ist… an diesem Plateau treffen wir eine Truppe Biker aus dem Nachbarkreis (HSK). Nach kurzem Schnack entschliessen wir uns, weiter zum Gardasee zu fahren. Die Strecke dorthin bietet von äusserts langweilig bis höchst interessant alles.
Leider ist es am See sehr diesig, womit die Fotos, die ich gemacht habe, eher was für die runde Ablage sind…
Reger Wassersportbetrieb bietet aber trotzdem etwas für´s Auge.
Zurück fahren wir die gleiche Strecke.
Heute ist uns das erste mal wieder aufgefallen, dass die Beschilderung in dieser Region unter aller Kanonen ist. Wahrscheinlich beabsichtigen die Strassenplaner, dass der Tourist auch die entlegensten Winkel der Gegend kennenlernt. Ständig fehlen Schilder, oder sie sind so dusselig aufgestellt, dass man sie einfach missdeuten muss.
Zum Abendessen machen wir uns heute etwas in der Wohnung.
Für mogen ist deutliche Wetterverschlechterung vorhergesagt 🙁

06.06.2001 Der Chaostag
Der mogendliche Blick aus dem Fenster verheisst nichts gutes. Die Berge rundherum sind in Wolken gehüllt und somit nicht zu sehen. Die Wolken hängen verdammt tief…
Wir beschliessen, heute keine weite Fahrt zu unternehmen. Zuerst möchten wir uns die Erdpyramiden bei Bozen ansehen.
Pünktlich zur Abfahrt öffnen sich dann auch die Schleusen. Entgegen meiner eigentlichen Einstellung fahren wir trotz Regen los – man sollte es nicht tun!
Es wird nicht besser, im Laufe der Tour wurde es im Gegenteil immer schlimmer.
Ein übriges zu unserer schlechten Stimmung trägt die mittlerweile gewohnt mieserable Beschilderung bei. – Mal ist ein grösserer Ort ausgeschildert, beim nächsten Wegweiser wieder nur ein winziger Ort in unmittelbarer Nähe.
Ein kleines Nest bei Kastelruth treibt mich dann fast zur Verzweiflung… Nur ein Schild (Strasse unterbrochen wg. Bauarbeiten) weist auf den Umstand hin. Kein Hinweis auf eine Umleitung. Ein zufällig mit einem Bagger des Weges kommender Bauarbeiter weist uns auf eine Ausweichstrecke durch den Ort hin. Jedoch finden wir erst nach mehrmaligem vorbeifahren eine winzige Einfahrt, die eher den Eindruck einer Hofeinfahrt macht. Kein Schild, kein Wegweiser, kein Umleitungshinweis… Promt versperrt uns auf der ca. 3m breiten Ortsdurchfahrt ein LKW, dessen Fahrer offensichtlich nicht rückwärts fahren kann, im starken Gefälle die Weiterfahrt. Mangels Rückwärtsgang ist hier für uns auch kein wenden möglich.
Nach einiger Zeit kümmern sich dann Carabinieri um den Fahrer und weisen ihn in die Kunst des rückwärts-fahrens ein…
Im darauffolgenden Ort ist dann lediglich der Brenner und Bozen ausgeschildert. Auch aufgrund des immer noch sehr schlechten Wetters habe ich nun endgültig die Nase voll und fahre über Bozen und das herrliche Eggental zurück zu unserer Unterkunft. Heute jedoch kann ich mich an der Schönheit dieser Schlucht nicht erfreuen. Ich bin einfach nur sauer. Zu allem Überfluss erweist sich die Abdeckung der Tasche meiner Funktionsjacke als undicht. Da allerdings die Tasche wieder dicht ist, fasse ich beim Griff zu meinem Funktelefon wie in ein Wasserglas. Folge: Display des Handys defekt…- Klasse Tag!

Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf mit unserem Sohnemann sieht die Welt dann schon anders aus. Das Latemarmassiv ist wieder zu sehen – die Rosengartengruppe blinzelt schon etwas durch die Wolken… die Sonne kommt bestimmt bald wieder – der Schatten ist ja schon da.
Wir entschliessen uns zu einem Spaziergang, um danach wieder einmal essen zu gehen. Das zweite Dreirad, der Kinderwagen von Lukas, wird bereit gemacht und los geht´s.
Das Wetter klart tatsächlich so auf, dass die Sonne herauskommt und der westliche Himmel klar ist.
Eine wiederum vorzügliche Pizza im Biergarten des „KUPFERKESSELS“ beendet diesen Tag und legt die Regenerfahrung vom Morgen hoffentlich zu den Erinnerungen.
Laut der Wirtin soll der nächste Tag wieder etwas besser werden – lassen wir uns überraschen…

07.06.2001 Die Pässetour
Ich öffne am morgen die Fensterläden und werde geblendet. WOLKENLOSER HIMMEL!
Für heute haben wir uns nun eine Pässetour ausgedacht.
Über den Karerpass (Pso. di Costalunga) über Monéa zum St. Pellegrino.
Dort angekommen kommt Juliane die glorreiche Idee, unserem Sohn Schnee zu beschaffen. Eine dazu notwendige Klettereinlage entet auch gleich mit blauen Flecken. Beim Versuch Fotos zu machen bemerke ich, dass sich bei meiner Nikon FE die Einstellscheibe gelöst hat und auf dem Spiegel liegt. Irgendwie ist das nicht unserer „Glücksurlaub“.
Während Juliane sich mit der Schneebeschaffung beschäftigt und Lukas auf dem leeren Parkplatz herumtollt, kümmere ich mich um die Instandsetzung der Kamera.
Lukas ist dann von dem bisschen Schnee ganz begeistert, jedoch auch sehr erstaunt, dass der Schneeball schon bald nicht mehr da ist…
Wir fahren weiter über Canale, Cencenighe, Agordo, Voltago und Gosaldo zum Pso. Cereda. Eine sehr schmale Strasse mit faszinierenden Ausblicken überrascht uns immer wieder – hier lässt es sich aushalten.
Nach einer kleinen Stärkung fahren wir weiter über die SS50 zum Pso. di Rolle. Hierhin führt eine Kehrenreiche, schmale aber gut ausgebaute Strasse. Fahrspass pur!!! Kurz vor der Passhöhe schläft unser Fahrgast bei schärfster Gangart ein. Wir stellen das Gespann so auf den Parkplatz, dass wir Lukas von der Sonnenterasse des Passlokals sehen können und bestellen uns einen Cappuchino. Lukas lässt sich auch vom Lärm vorbeifahrender Motorräder und LKW nicht von seinem Erholungsschlaf abbringen. Erst ein in unmittelbarer Nähe startender Versorgungshubschrauber weckt ihn.
Wir fahren weiter über den Pso. de Valles um über die, uns schon bekannte, Strecke über St. Pellegrino und Karerpass zurückzukehren.
Eine Schale Pommes am Karerpass macht Lukas glücklich – ein anschliessendes, warmes Bad in der heimischen Wanne uns.

Da man bekanntlich immer dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist, beschliessen wir, diese wunderbare Gegend morgen wieder zu verlassen und uns eine Bleibe bei Garmisch Patenkirchen zu suchen.
Für vier Übernachtungen incl. Brötchen und hervorragendem Speck zahlten wir nun 420000 Lire.

08.06.2001 Der Umzug
Nach einem Blick nach oben weiss ich nicht so recht, was wir machen sollen.
Der Himmel zeigt sich bewölkt, jedoch sieht man ab und an Schatten, was andeutet, dass die Wolkendecke so dick nicht sein kann.
Für die Rückfahrt stehen zwei Routen zur Wahl:
– Wie gekommen über Brenner und Insbruck, Mittenwald nach Garmisch
– Über Bozen, Merano, Timmelsjoch, Fernpass nach Garmisch

Mir macht hierbei die Höhe des Timmelsjoch mit über 2400m ein wenig Kopfschmerzen. Niederschlag dürfte auf dieser Höhe heute als Schnee herunterkommen.
Wir entschliessen uns dennoch für die Route 2.

Nachdem wir recht flott über Bozen nach Meran gekommen sind (hier wurde in den letzten Jahren eine Schnellstraße gebaut) kämpfen wir uns mühsam durch die Stadt. In anbetracht der zahlreichen Touristen kann ich nicht recht verstehen, wie man hier mit Genuss seinen Urlaub verbringen kann.
Dann die Enttäuschung: TIMMELSJOCH GESPERRT!
Das bedeutet nach einem Blick auf die Karte für uns, dass wir über den Jaufenpass ausweichen müssen. Auf der Passhöhe des Jaufenpass liegt noch einiges an Schnee. Das ist wieder für unseren keinen Fahrgast ein Riesenspaß…
Unterwegs auf der recht schmalen Strecke sind wir flott unterwegs. Da werde ich plötzlich zu einem Test der Bremsanlage des Gespanns gezwungen, da uns nach einer Kurve ein Bus entgegenkommt. Für unser Gespann ist da kein Platz mehr. Nach dieser unfreiwilligen Einlage werde ich etwas ruhiger.
Weiter fahren wir wieder über Brenner, Insbruck und Mittenwald nach Garmisch Patenkirchen. Hier treibt uns Lukas zum nächsterreichbaren Mc. Donalds. Ein Platz, an dem sich wohl alle Eltern irgendwann einfinden. Er ist begeistert – wir eher weniger…
Nach der kleinen Stärkung geht es dann auf Zimmersuche.
Fündig werden wir bei Fam. Stadler in Ettal. Freundlich werden wir trotz unserer nassen Klamotten (mittlerweile regnet es wieder) in ein sauberes, sehr gepflegtes Zimmer einquartiert.
Ein kurzer Einkaufsspaziergang durch Ettal beschert uns u.a. eine Auswahl von Biersorten, die in der Ettaler Mönchsbrauerei gebraut werden.
Wir testen fünf Sorten und küren die Hefeweizen, davon wiederum speziell das dunkle, zu unserem Favorit – Prost

09.06.2001 Der zweite Chaostag
Es regnet! Und das ununterbrochen und den gesamten Tag 🙁
Wir besuchen zuerst das Schloss Linderhof. Aufgrund des miesen Wetters fällt der Besuch recht kurz aus. Ein paar Fotos und ab gehts zurück.
Wir trinken einen Kaffee und gehen danach in die „BLAUE GAMS“ zum Mittagessen. Wir sind begeistert. Zu angemessenem Preis bekommen wir ein vorzügliches Mahl kredenzt: Juliane einen Grillteller, Sohnemann Bauernspätzle mit Schwammerl und ich einen Gamsbraten…mmmhhh lecker!
Zurück im Zimmer machen wir einen Mittagsschlaf mit Lukas.

Danach unternehmen wir einen Spaziergang in den Ort. Ein Foto im Klostergarten beendet hierbei vorerst die Funktion meiner Nikon EL2. Erst eine Insprktion im Zimmer lokalisiert den Fehler am Objektiv. Die Rüttelei im Beiwagen war wohl doch zu viel…
Mit einem Ettaler Hefeweissbier wird der Tag beendet. Im Bett drücke ich die Daumen für besseres Wetter – der Wetterbericht sagt leider etwas anderes… aber lassen wir uns überraschen.

10.06.2001 Sehr hohe Luftfeuchtigkeit 🙁
Der Blick aus dem Fenster – REGEN… Selbst die nur wenige hundert Meter entfernte Felswand ist durch dichten Nebel nicht zu erkennen.
Wir entscheiden uns zu einem Motorradfreien Tag.
Wir verbringen ihn mit einem Spaziergang durch Ettal und der Beschaffung von Andenken für die daheimgebliebenen.
Zum Mittag wieder ein phantastisches Mahl in der BLAUEN GAMS – viel mehr können wir diesem Tag dann nicht mehr abgewinnen.

11.06.2001 Die Abreise
Wir schauen am Morgen wieder aus dem Fenster – REGEN.
Wir bleiben noch eine Weile liegen, bevor wir in aller Ruhe frühstücken. Das Frühstück bei Stadlers ist wirklich klasse! Da die Verladung auf den Autozug erst um 20:00 Uhr beginnt, haben wir noch lange Zeit.
Nach dem Zusammenpacken unseres Gepäcks und verstauen im Gespann – oh Wunder – lichtet sich die Wolkendecke etwas und es hört auf zu regnen.
Wir nutzen diese unerwartete „TROCKENPERIODE“ und brechen auf. Über die A95 fahren wir trocken nach München. Dort erwischt es uns dafür besonders. Ich kann gerade noch meine Regenhose überstreifen, da fällt ein furchtbarer Gewitterschauer auf uns hinab. Binnen Sekunden ist die Strasse weiß vom Hagel.
Wir suchen Schutz in einer Pizzeria. Ein gute Wahl!
Während Juliane nach alter Regel „was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ Maccaroni bestellt, erspähe ich auf der Tageskarte besonderes: Kängurustreifen in scharfer Cognac-Sauce. Da es das erste Känguru für mich ist, bin ich selbst gespannt. Das Essen war traumhaft!

Nach dem Essen suchen wir den Verladebahnhof. Nach einiger Sucherei sind wir überrascht, dass wir um 15:00 Uhr nicht die ersten sind.
Wir unterhalten uns eine ganze Zeit mit einem netten Pärchen, das wie wir Düsseldorf als Ziel hat. Nach einiger Zeit schauen wir auf die Tickets und stellen fest, dass wir zusammen in einem Zugabteil unterkommen… Zufälle gibts.
Die Verladung des Gespanns geht problemlos vonstatten. Wir besorgen noch etwas Bier für einen Abendtrunk, dann geht es auch schon los. Bis zum einschlafen haben wir noch viel Spass und lachen oft.

12.06.2001 Wieder daheim
Über den heutigen Tag lässt sich nicht viel berichten.
Das Abladen verläuft wieder problemlos. Nach einen Frühstück bei Mc Donalds fahren wir über die Autobahn zurück nach Hause.

FAZIT:
Zusammenfassend kann ich nun folgendes sagen: AUTOZUG IST KLASSE

Wir haben für uns drei incl. Motorradgespann für Hin- und Rückfahrt 520,-DM incl. Versicherung gezahlt. Allein für Benzin hätten wir für die Strecke knapp 400,-DM gebraucht. Dazu noch Verschleiss und Stress…
Letztlich hat die Zugfahrt also nur ca. 120,-DM gekostet. Dafür hatten wir keinen Autobahnstress, keinen Verschleiss am Gespann und durch die jeweiligen Nachtfahrten zwei Tage mehr Urlaub. Deshalb steht für uns fest:
Autozug?- Immer wieder!

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