BMW R1150GS

gs1150Nachdem ich 2004 die Yamaha FZS1000 Fazer abgegeben habe, hatte ich seit fast zwei Jahren kein Motorrad mehr. Wenn ich auch immer viel um die Ohren hatte und in dieser Zeit recht intensiv an dem selbstausgebauten Wohnmobil gearbeitet habe, irgend etwas fehlte …
Der Weg zur 2. GS
Im April 2006 besuchten wir in Andechs ein Wohnmobiltreffen, zu dem auch ein Schweizer Pärchen mit einem umgebauten Saurer-Postbus erschienen. Dieser Postbus hatte im hinteren Bereich eine Garage, die ein Bombardier-Quad, bzw. ein ATV aufnahm.

Freundlicherweise durfte ich das Quad einmal zur probe fahren. Mit meinem Sohn drehte ich eine kleine Runde damit und war überrascht, ob des Spasses, den so ein Gefährt doch bereitet. Die Fahreigenschaften sind zwar recht schwammig und undefiniert, aber vielleicht ist es gerade das, was den Reiz ausmacht.
Wieder daheim angekommen informierte ich mich dann im Internet und bei diversen Händlern über diese Teile. Dabei fiel ich fast auf den Rücken, als mir die geforderten Preise genannt wurden. Die Klasse um 6-700ccm und hier wiederum speziell die 660er Raptoren hatten mich interessiert. Knapp 10000 Euro werden für so ein Quad aufgerufen – dafür bekommt man schon richtig gute Motorräder.

gs1150In dieser Entscheidungsphase besuchte mich ein Arbeitskollege, mit dem ich vor Jahren, als ich noch die GSF 1200 Bandit besass, viel umher gefahren bin. Er fragte mich, ob ich nicht jemanden für sein Motorrad wüsste, das er leider verkaufen wolle, da ihm die Zeit zum fahren fehlt. Er nannte mir den Preis, den er sich vorstellte – ich kam ins grübeln und nannte meine Vorstellung. Es handelt sich bei dem angebotenen Bike um mein heimliches Traummotorrad, zu dem ich schon seit Jahren hin schiele, aber immer an der Preishürde scheiterte bzw. nicht bereit war, 14000 EURO für ein Motorrad zu investieren. Man darf dabei nicht vergessen, dass es sich hierbei, umgerechnet in richtiges Geld, um fast 28000,-DM handelt.
Ich vereinbare eine Probefahrt, zu der ich meinen Sohn mitnehme. Er hat später die Aufgabe, bei der Überzeugungsarbeit bei der Finanzverwaltung mit zu helfen.
Die Probefahrt begeistert sowohl mich, als auch meinen Sohn. Jetzt muss nur noch die Mama davon überzeugt werden, dass dieses Gefährt unbedingt angeschafft werden muss …
Nach einigen Tagen trafen wir uns dann in einem Bereich, der zwischen beiden Summen liegt und mit dem beide Parteien zufrieden sein können. Die Mama hat mittlerweile mit gemischten Gefühlen zugestimmt.

Vielen Dank mein Schatz, dass Du mir dies mit Deiner Zustimmung ermöglicht hast!!!

Aber von was für einem Motorrad schreibe ich hier überhaupt?gs1150-1Nachdem der Kollege im Anschluss an die Bandit eine BMW R1100GS kaufte und damit begeistert fuhr, erleidete er in den Pyrenäen einen Unfall, der das Motorrad irreparabel zerstörte. Er selbst blieb, bis auf ein paar blaue Flecken, glücklicherweise unverletzt.
2003 war es dann, als er seine jetzt zum Verkauf stehende BMW R1150GS anschaffte. Es handelt sich um die GS in der Sonderlackierung blau-weiss mit allen Extras, die die Preisliste ermöglicht. So hat diese GS alle Extras, wie ABS, G-Kat, FID (Fahrer Informations Display), Heizgriffe, Kofferträger incl. System-Koffer, und weisse Blinkleuchten.
Das Motorrad wies am Tag der Übergabe eine Laufleistung von gerade einmal 2800km auf. Bei solch geringen Laufleistungen habe ich bezüglich der Glaubwürdigkeit eigentlich immer Zweifel. Bei diesem Exemplar habe ich jedoch keinerlei Bedenken, da ich den bisherigen Besitzer gut kenne und weiss, dass die Angaben korrekt sind. Der Zustand des Fahrzeugs ist entsprechend wie neu.
Ich kannte diese BMW bislang lediglich aus Presseberichten und Erzählungen von Bekannten. Selbst gefahren habe ich solch ein Motorrad vorher noch nicht. Jetzt, da ich eigene Erfahrungen zum besten geben kann, kann ich sagen, dass die BMW auf mich eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt und mich in keinster Weise dazu anregt, rasant zu fahren. Der Motor schöpft seine Kraft bereits aus dem Drehzahlkeller und wie von selbst stellt sich eine entspannte Fahrweise ein. Diese überaus angenehme und beruhigende Eigenschaft habe ich so bislang noch bei keinem Motorrad erlebt. Die Fahrt mit der GS stellt sich vollkommen souverän und entspannt dar. Die aufrechte Sitzposition sorgt für gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen und die angenehme Positionierung der Fussrasten lässt sogar mich, bei einer Körpergrösse von 197cm einen angenehmen Sitzplatz vorfinden.
Bereits die ersten Fahrten mit der BMW R1150GS begeistern mich. Das Motorrad ist trotz der imposanten Erscheinung überaus handlich zu bewegen und hat eine sehr angenehme Motorcharakteristik. Bereits bei niedrigen Drehzahlen entwickelt der Motor satt ausreichenden Vortrieb, um im mittleren Drehzahlbereich nochmals kräftig zuzulegen. Die Giftigkeit, die ich von der 1000er Fazer von Yamaha gewohnt war, bleibt natürlich aus, wird aber auch nicht vermisst, da der Drehzahlbereich bis ca. 5000/min der angenehmste ist.
Die BMW R1150GS wurde mit zwei verschiedenen Getriebevarianten ausgeliefert. Zum einen mit dem Getriebe der R1150GS Adventure, die einen kurzen sechsten Gang besitzt. Zum anderen ein Sechsganggetriebe, bei dem der sechste Gang als Schongang (Overdrive) ausgelegt ist.

GS-MotorMeine GS besitzt eben dieses Overdrive-Getriebe, was ich persönlich als äusserst angenehm empfinde, da sich auch bei zügiger Fahrt das Drehzahlniveau auf einem ungewöhnlich niedrigem Level bewegt. Ich finde es sehr schade, dass BMW sich bei der jetzt aktuellen R1200GS von diesem Overdrive verabschiedet hat. Sicher ist mit dem jetzigen Getriebe flotteres beschleunigen im letzten Gang möglich. Jedoch klappt das aufgrund des satten Drehmomentes trotz Schongang auch mit dem Overdrive-Getriebe ganz gut. Und wenn es wirklich einmal noch flotter abgehen soll, dann kann man ja immer noch einmal herunter schalten. Wie auch immer – ich möchte diesen Schongang jetzt, da ich ihn an diesem Motorrad kenne, nicht mehr missen.

Aber es ist nicht alles nur Sonnenschein!
Das Getriebe schaltet sich leicht, aber überaus geräuschvoll. Es hat einige Zeit gedauert, bis dass die Nachbarschaft beim losfahren nicht aus dem Fenster schaute, wenn ich in den zweiten Gang geschaltet habe, um nachzusehen, ob ich gestürzt bin… Im Ernst: Das Geräuschniveau ist eine Katastrophe. Da kann man gefühlvoll oder mit Nachdruck schalten – es bringt alles nichts. Es ist und bleibt einfach laut. Das können die Japaner auf jeden Fall besser!

Mit dem Motorrad gestaltet es sich nun zwar etwas schwieriger, es auf dem Anhänger zu befestigen, um es hinter dem Wohnmobil in den Urlaub zu ziehen, jedoch denke ich trotzdem, dass dieses Motorrad im Vergleich zu einem Quad die dauerhaft bessere Entscheidung war.

Soundcheck
Wahrscheinlich bedingt durch meine Vergangenheit und der Art und Weise, wie ich den Kontakt zu Motorrädern gefunden habe, habe ich ein persönliches Problem mit Motorrädern, die wie Nähmaschinen klingen. Für mich muss sich ein Motorrad auch wie ein Motorrad anhören. Hierbei ist nicht die Lautstärke im Vordergrund, sondern der Klang bzw. die Tonlage an sich.
Dies ist auch der Grund, dass ich mich kurz nach dem Erwerb der R1150GS bereits nach einem Auspuff umgesehen habe. Nach umfangreicher Recherche habe ich mich dann für den Edelstahlendtopf von ZACH-AUSPUFFTECHNIK entschieden. Speziell die Verarbeitung des Auspuffs hat mich überzeugt. Dass mit diesem Endtopf noch ein wenig Gewicht am Fahrzeug eingespart wird, ist eher ein angenehmer Nebeneffekt. Die Passgenauigkeit des Zubehörteils ist excellent. Die Montage birgt keinerlei Probleme. Die originale Befestigungsschelle kann in Verbindung mit dem originalen Abdeckblech verwendet werden. Die hintere Befestigung erfolgt nicht, wie bei vielen anderen Herstellern, mittels einer eher hässlichen Schelle, sondern mit einer speziellen Halterung. Die ZACH-Auspufftöpfe sind keine Universal-Auspufftöpfe für eine hohe Anzahl von Motorrädern. Jedes Motorrad bekommt seinen eigenen Auspuff mit individueller Halterung. So muss das sein!
Leistungsmässig bemerke ich nach der Montage keinen Unterschied. Der Klang der GS hat sich dagegen grundlegend geändert. Angenehm dumpf tönt der Auspuff, der natürlich eine EG-Zulassung besitzt. Den kraftvollen Sound eines 2-Ventil Boxermotors, wie ihn beispielsweise meine ehemalige R100R Mystik hatte, erreicht freilich auch dieser Auspuff nicht. Dadurch, dass es sich bei dem ZACH um einen Edelstahlauspuff handelt, verfärbt sich der Endtopf durch die entstehende Hitze. Dadurch bekommt der Auspuff nach einigen Fahrten einen leicht gelblichen Farbton.

Windschutz
Durch meine Körpergrösse von 197cm habe ich bei vielen Motorrädern mit Verkleidung Probleme mit dem Windschutz. Die Scheiben sind eher für die mitteleuropäischen Durchschnittsbürger konstruiert und funktionieren dafür auch bestens. Der Windschutz in Bezug auf den entstehenden Winddruck bei höheren Geschwindigkeiten ist ja eigentlich auch vollkommen ausreichend. Immerhin sitzt man auf einem Motorrad und nicht in einer Auto(dose). Frische Luft um die Nase ist daher ausdrücklich erwünscht. Leider entwickeln sich bei vielen Maschinen genau auf meiner Kopfhöhe Verwirbelungen, die für enormen Lärm und ständige „Ohrfeigen“ sorgen. So auch bei der GS. Trotz dreifach verstellbarer Windschutzscheibe findet sich keine taugliche Einstellung, mit der sich dauerhaft leben liesse. Ich habe sogar schon versucht, die Scheibe komplett zu demontieren. Leider ist aber dann der Winddruck so hoch, dass Dauergeschwindigkeiten über 140km/h nicht mehr machbar wären. Somit habe ich momentan die niedrigste Stellung der Serienscheibe gewählt. So sind die Verwirbelungen am geringsten. Angenehm ist das fahren mit dem Motorrad so aber nur bis zu Geschwindigkeiten von ca. 100 bis maximal 120km/h. Längere Autobahnetappen sind zwar vom entstehenden Winddruck her möglich, aber ohne Gehörschutz nicht sinnvoll machbar. Und selbst mit Gehörschutz sind solche Fahrten durch das gerüttel am Helm äusserst anstrengend und ermüdend. Den Zustand mit der serienmässigen Scheibe kann man so beschreiben, dass man beim fahren ständig geohrfeigt wird.
Ich suche nun nach einer geeigneten Windschutzscheibe aus dem Zubehörsektor. So bietet zum Beispiel Touratech einen kleinen Spoiler an, der auf die serienmässige Windschutzscheibe montiert wird. Die Fa. MRA hat dagegen eine grössere Austauschscheibe im Angebot, die zweiteilig ausgelegt ist und somit den Luftstrom in andere Bahnen lenken und die Verwirbelungen hinter der Scheibe deutlich senken soll. Meine Nachforschungen zeigten aber, dass beide Lösungen sowohl Befürworter als auch Gegner haben. Die meisten Befürworter allerdings, speziell in der Rige der grösseren Fahrer, hat dabei aber die Vario-Scheibe von MRA. Ich werde nun einmal versuchen, solch eine Scheibe zu vertretbarem Preis zu bekommen, um das dann einmal ausprobieren zu können. Letztlich ist das eigene Empfinden ausschlaggebend und nicht die Meinung eines anderen, der vielleicht vollkommen andere Maßstäbe ansetzt. Schliesslich soll aus der GS keine Gold Wing oder BMW LT werden. Einzig die lästigen Verwirbelungen, die auf Dauer furchtbar ermüdend sind, möchte ich gern elimimniert haben.

Aktualisierung:

Bei der Suche habe ich eine neue MRA Vario-Screen für die R1150GS gefunden, die der überaus nette Händler (eine nette Dame mit angenehmer Stimme) für einen äusserst interessanten Preis von 110,- EUR abgibt. Der offizielle Listenpreis beträgt übrigens 149,-EUR. Ich warte jetzt auf die neue Scheibe und drücke die Daumen, dass sich damit mein Problem lösen lässt. Da die Vario-Screen ja neben der Neigung noch weitere Einstellmöglichkeiten bietet, bin ich da aber eigentlich guter Dinge und recht optimistisch ob des Ergebnisses. Ich schreibe es hier nieder, sobald es diesbezüglich Neuigkeiten gibt.

Gestern habe ich nun die Vario-Screen für die BMW R1150GS geliefert bekommen. Die Montage gestaltet sich bei der GS denkbar einfach, da die Zubehör-Scheibe mittels der originalen Befestigungselemente angebaut wird. Dem Anbau folgt dann trotz sehr dunkler Wolken gleich die erste Probefahrt, die ich bis zu den ersten Tropfen, die vom Himmel fielen ausdehne. Auf der nahen Bundesstrasse metere ich mehrmals ein Teilstück aus, nachdem ich jeweils die Stellung der Scheibe verändert habe. Als beste, wenn auch nicht optimale Stellung habe ich nun für mich die mittlere Neigungsposition gewählt. Den oberen, beweglichen Teil der Scheibe habe ich erst einmal auf die mittlere Position eingestellt. Eine ideale Lösung stellt auch diese variable Scheibe nicht dar, verbessert jedoch merklich die Windsituation auf dem Fahrerplatz. Was mich ein wenig stört, ist die Stabilität der Scheibe. Speziell dann, wenn der Motor an einer roten Ampel im Standgas blubbert, wackelt die Konstruktion schon deutlich heftiger, als die Serienscheibe. Sie ist natürlich auch ein ganzes Eck grösser. Für den Einsatz im Gelände ist diese Lösung wahrscheinlich dennoch nicht dauerhaft geeignet.
Da ich aber das Motorrad ausschliesslich als Strassenbike nutze, werde ich die Scheibe montiert lassen und erst einmal die Dauerhaltbarkeit testen. Die lästigen Verwirbelungen, die Dauer-Tempi über 120km/h nahezu unmöglich machten, sind jedenfalls nach dem Umbau fast vollständig verschwunden. Problemlos liess sich auf der Bundesstrasse ein Tempo von 160km/h halten, ohne dass der Kopf in den Turbulenzen der Windschutzscheibe hin und her gestossen wird. Auch die Fahrt mit Jet-Helm wird angenehmer. Bis knapp 100km/h ist das fahren mit geöffnetem Visier problemlos möglich. In dieser Hinsicht erfüllt die Scheibe ihren Zweck und rechtfertigt somit auch die Investition.

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