Die Rückkehr zur VS1400 Intruder

Meine BMW R1150GS, die ich im Jahr 2006 im Stall stehen hatte, war ein wirklich tolles Motorrad. Das Bike war handlich, leistungsstark, und absolut fahrstabil. Fahrtechnisch also wirklich etwas ganz feines, an dem sich so mancher sogenannter SUPERSPORTLER zu Zähne ausgebissen hat und in den blubbernden Auspuff schauen durfte.
Vielleicht war mir dieses Motorrad auch nur zu perfekt. Ich kann es nicht wirklich beschreiben – irgend etwas fehlte mir. Viele Bekannte schütteln bei der Aussage verständnislos den Kopf, aber für mich hatte die BMW keine Seele …

Am 10.08.2006 habe ich die BMW dann an jemanden verkauft, bei dem sie es ganz sicher gut haben wird. Der neue Besitzer fuhr davor 14 Jahre lang eine Kawasaki Zephyr 1100, die auch in diesem hohen Alter noch richtig gut ausschaut. Ich jedenfalls wünsche dem neuen Besitzer alles gute und allzeit gute Fahrt mit der R 1100 GS.
Ich hatte ja bereits in meinem ersten Bericht zur Intruder geschrieben, dass die VS1400 das bislang einzige Motorrad war, dessen Verkauf ich lange bereute. Daran erinnerte ich mich jetzt und ging auf die Suche nach einem für mich geeigneten Exemplar. Die beiden Erfahrungen mit einer Intruder, die ich in meiner Motorradfahrer-Vergangenheit bereits sammeln konnte sorgten dafür, dass ich speziellen Wert auf eine vorverlegte Fussrastenanlage legte.

In Solingen finde ich dann bei Mobile.de ein interessant erscheinendes Inserat:

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Nun, wir vereinbaren einen Besichtigungstermin und wir machen uns auf den Weg nach Solingen. Da wir ohnehin in Köln ein Bücherregal für unser Bücherzimmer abholen müssen, verbinden wir diese beiden Besuche.
Bei dem Anbieter angekommen wird schnell klar, dass es sich um einen Händler handelt. Zahlreiche Chopper und Cruiser stehen dicht gedrängt in einer kleinen Halle. Die Intruder fast ganz in der Ecke. Der erste Blick auf das Motorrad zeigt ein schickes, gepflegtes Fahrzeug. Wir bugsieren die VS zwischen den anderen Zweiradkollegen ins Freie, damit ich sie mir besser ansehen kann.
Im freien ändert sich dann doch das Bild. Der TOP-Zustand relativiert sich durch zahlreiche angegammelten Schrauben. Die Packtaschenhalter zeigen deutlichen Rotrost. Ebenso viele Schrauben und Schweissnähte. Auch die verchromten Seitendeckel der Trude überzeugen mich nicht. Kantenkorrosion auch hier. Eine vernünftige Probefahrt ist mangels rotem Kennzeichen nicht möglich, so dass sich die Probefahrt allein auf das Areal um das Haus herum beschränkt.
Insgesamt habe ich bei dem Motorrad kein gutes Gefühl. Der Händler macht mir einen wenig seriösen Eindruck, scheint zudem nicht wirklich nennenswert Ahnung von der Technik des Bikes zu haben und die Intruder schaut zwar oberflächlich recht gut aus, ist aber näher betrachtet doch ziemlich verkommen. Ich fahre mit leerem Anhänger weiter nach Köln. Der Schrank ist dafür ein wirklich guter Kauf gewesen …
Wieder daheim angekommen suche ich weiter.

Eine wirklich höchst interessant erscheinende 1400er Intruder finde ich in Brandenburg. Der Verkäufer ist jedoch nicht erreichbar und antwortet auch nicht auf meine eMail.

trudelukas-grDie weitere Suche führt mich dann nach Werne bei Hamm. Eine 2001er marron-farbene Highway-Edition wird dort zum Kauf angeboten. Das erste Gespräch am Telefon sagt aus, dass das Motorrad sich ebenfalls in erster Hand und in gutem Pflegezustand befindet. Naja, gute Pflegezustände habe ich in der Vergangenheit schon häufig gesehen und nicht als solche akzeptieren können. Aber Werne ist nicht weit weg, so dass wir einen Besichtigungstermin für den 13.08.2006 vereinbaren.
Als wir ankommen, steht das Motorrad bereits auf dem Hof. Beim vorbeigehen werfe ich einen ersten Blick auf die Trude, der einen guten Pflegezustand zu bestätigen scheint. Aber ich kenne ja bereits diese Eigenschaft der Intruder. Durch die zahlreichen Chromflächen ist der Betrachter geblendet und sieht erst bei der genaueren Begutachtung den wahren Zustand. Meine Finger streichen sanft über den Lack des Tanks und die Chomfläche des Zylinderkopfes. Nicht ohne Grund. Ich wollte wissen, ob der Motor schon gelaufen ist. Aber er ist kalt.
Dann kommt auch schon der Besitzer und begrüsst uns. Ich knie vor dem Eisenhaufen nieder und schaue ihn mir genauer an. Auch hier finde ich Spuren der Zeit, jedoch bei weitem nicht in dem Ümfang der Trude von gestern. Wir wollen das Motorrad starten und haben Pech. Die Batterie scheint tot. Nach einiger Schrauberei bekommen wir das Motorrad mit Hilfe von einem Starthilfekabel dann doch noch in Gang. Der Klang des Motors ist klasse! Das dumpfe Bollern streichelt meine Seele. Die Probefahrt unterstreicht dieses Gefühl nochmals. Zähe Verhandlungen folgen, wobei der Verkäufer sich sehr standhaft zeigt. Wir treffen uns irgendwo in der Mitte, für mich ungewohnt, näher an seiner urspünglichen Forderung. Aber ich denke, das Fahrzeug ist es wert. Wir verladen die VS1400 gemeinsam auf dem Anhänger und wünschen dem Verkäufer und seiner hochschwangeren Frau alles Gute für die Zukunft, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen.

Maroon, dieses Rot mit dem tiefen Glanz hatte mich bereits im Jahr 1995 bei meiner ersten Intruder begeistert. An diesem 2001er Modell sieht die Farbe durch die schwarz abgesetzten Lackflächen bald noch interessanter aus. Jetzt wird erst einmal intensives Putzen und polieren dafür sorgen, dass das Motorrad wirklich wieder in einem, meinen Bedürfnissen entsprechenden Zustand versetzt wird.

Aktualisierung:
Leider musste ich anfang 2007 dieses Motorrad aus familiären Gründen abgeben. 2007 wird deshalb für mich ein Motorradloses Jahr sein, in dem das Fahrrad das einzige Zweirad ist.
2008 ist es dann voraussichtlich wieder so weit!

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